Auf dieser Seite finden Sie, was in und um Breitensee geschieht und sich in Bildern festhalten läßt.
Eine andere Defensiveinrichtung für Gefahrenzeiten waren die Erdställe.
Das sind unterirdische Gänge und Höhlen, direkt unter den Häusern und Höfen, oft mit einem versteckten Ausgang und zu einer Wasserstelle führend. Erdställe sind nicht so alt wie die Wehrkirchen, sie entstanden meist in der früheren Neuzeit, also im 15. und 16. Jahrhundert. (1g)
In Breitensee wurden diese Erdställe noch nicht erforscht, sie sind aber der Bevölkerung bekannt. Im Haus Nr. 19 wurde ein solcher Stall 1922 beim Brunnengraben entdeckt. Gänge von den Häusern Nr. 23 und 43 – beide zum nun verschütteten Gemeindebrunnen führend – von oben erkannt werden.
Wie oft unsere Kirche von unseren Vorfahren verteidigt wurde, wie oft sich die Bewohner in die Erdställe flüchten mussten, ist urkundlich nirgendwo festgehalten.
Konnten die bisherigen Aussagen über Breitensee und seine Kirche nur aufgrund von Ausgrabungen und Analogien erschlossen werden, so gilt ähnliches auch für die nächsten 400 Jahre.
Namhafte Geschichtsforscher bezeichnen das Marchfeld als die größte Schädelstätte Europas. Es gäbe hier keinen Quadratmeter Boden – so heißt es – auf dem ein Mensch infolge kriegerischer Ereignisse nicht sein Leben hätte lassen müssen.
Dörfer wurden vernichtet und wieder besiedelt, andere Orte verödeten aus wirtschaftlichen Gründen, epidemische Krankheiten überfluteten das Land, Zeiten, wo friedensmäßig am Aufbau der Heimat gearbeitet werden konnte, waren kurz und rar.
So waren es vorerst die Ungarn, die 955 auf dem Lechfeld zwar geschlagen wurden, die aber weiterhin versuchten, die Babenbergermark in Besitz zu nehmen.
Ernst der Tapfere, Leopold der Heilige sowie Friedrich der Streitbare – um nur einige zu nennen – hatte heftige Kämpfe mit ihnen auszutragen, um das Land behaupten zu können. Häufig drangen hiebei kleinere ungarische Streifscharen auf Beutezug über die Grenze. Die betroffenen Dörfer mussten sich hiebei selbst verteidigen.
Wehrkirchen und Erdställe erschienen so als höchst erforderliche Einrichtungen.
Oft wurden solche Einfälle den Dörfern zum Schicksal, ohne dass die „große Politik“ davon Kenntnis genommen hätte.
Aus der Schau der Ungarnkriege ist auch die Schlacht bei Groissenbrunn (1260) zu beurteilen. Der Ungarnkönig Bela IV. versuchte Ottokar von Böhmen unser Land zu entreissen. Wir wissen, dass die Ungarn geschlagen wurden, niemand berichtet aber darüber, was die umliegenden Dörfer und deren Bevölkerung an Grausamkeit der Soldaten, Requirierungen und allem anderen, was das Kriegsvolk an Häßlichkeit mit sich brachte, leiden, dulden und opfern mussten.
Kaum viel anders wird es 1273 gewesen sein, als Rudolf von Habsburg als Deutscher Kaiser, jetzt im Verein mit den Ungarn gegen Ottokar zog. Rudolf sammelte sein Heer in Marchegg, wobei allein schon aus technischen Gründen sicherlich auch die umliegenden Orte, also auch Breitensee, mit Einquartierung u.a. bedacht werden mussten.
Im 15. Jahrhundert waren es dann die Hussitten (Tschechen), welche, nachdem ihr Reformator Johannes Hus 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt worden war, eine Kampf- und Rachegemeinschaft gegen alles was Deutsch war, bildeten. An ihrer fanatischen Kampfeswut und an ihren Wagenburgen zerschellten vorerst alle gegen sie gesandten Truppen. Ob Breitensee von dieser Auseinandersetzung direkt betroffen war, ist nirgendwo erwähnt. Urkundlich belegt ist bloß die Zerstörung von Stillfried.
Um 1440 sind innerdeutsche Thronstreitigkeiten die Ursache, dass böhmische Söldnerführer und heimische „Ritter“ sich stark machten und von Theben-Neudorf-Markthof (Ludwenko), Schloss Niederweiden (Leonhard Arberger) und Orth (Konrad Fronauer) aus das Land ausraubten. „Sie nahmen den Bauern nicht nur Vieh und Lebensmittel, sondern auch Kleider und Schuhe ….“ Was sonst noch geschah, wird schamhaft ver-schwiegen.
Das schwerste und für Breitensee möglicherweise entschei-dende Jahr war 1492, als der Ungarnkönig Matthias Corvinius im Streite gegen den römisch deutschen Kaiser Friedrich III. gegen Wien zog. Die Chroniken berichteten, dass auf diesem Kriegszug 40 Orte in Schutt und Asche gelegt wurden. Namentlich könnte aber dabei gewesen sein, und die Zerstörung der alten Breitenseer Kirche ist möglicherweise damals erfolgt. Bei diesem Kriegszug handelte es sich um eine sehr große feindliche Streitmacht, für die eine Wehrkirche von der Größenordnung der Breitenseer Kirche keineswegs ein Hindernis gewesen wäre.
Für die Zerstörung der ersten Breitenseer Kirche spricht allerdings auch ein anderer Zeitpunkt. Siehe Bethlen Gabor-Reformation!
Vorerst ein Lebenszeichen von Breitensee:
Am 24. 9. 1525 wird in einer Urkunde im Archiv Kreuzenstein (499) festgelegt, dass:„Hans Mair der 2. Gatte Stefan Reuter zu Praitensee 1 Weingarten in der …..gegend verkaufen darf“
Die Geschworenen Leonhard Pflugler
Hans Rauser
Wolfgang Engspessl
Steph. Griesmeir
1529 wälzt sich das Hauptheer der Türken südlich der Donau gegen Wien. Türkische Streifscharen – „Akindschi“ genannt – brechen in das Marchfeld ein. Ihre Aufgabe ist es, die Verpflegung des Hauptheeres sicher zu stellen. Sie kommen diesem Auftrag raubend, plündernd und brandschatzend nach, töten was ihnen unterkommt, nehmen Knaben sowie junge Mädchen mit. Erstere werden zu „Janitscharen“ (Elitesoldaten) ausgebildet, die Mädchen werden Sklavinnen. Großenzersdorf und Oberweiden gehen in Flammen auf.
Über Breitensee gibt es keine direkten Aufzeichnungen, die Menschenverluste müssen allerdings hier außergewöhnlich groß gewesen sein und sind sicherlich die Ursache, dass das Dorf später zusätzlich mit Kroaten besiedelt wurde.
Über das eventuelle Vorhandensein einer Kirche in Breitensee mag die Präsentationsurkunde für den neuen Pfarrer von Marchegg aus dem Jahr 1506 Auskunft geben. Der Abt von Melk bringt darin Johann Findl als neuen Pfarrer von Marchegg in Vorschlag. Er beschreibt dessen seelsorgerische Aufgaben. Von einer Kirche, Filialkirche oder von einer seelsorgischen Mittbetreuung unseres Dorfes sagt er nichts.
1541 scheint im Gildenbuch V-UWW 349 Praitensee im Marchfeld wieder auf. Allerdings mit dem für uns unverständlichen Vermerk: „1 Haus zu Wien über Burgkapelle ausstorben.“
Durch den Türkenkrieg war die bodenständige Bevölkerung des Marchfeldes entscheidend zurückgegeben.
Die Grundherrschaften bemühten sich deshalb, neue Ansiedler zu gewinnen. Die Motivation hiezu mag für deutsche Bauern in dieser Zeit gering gewesen sein, und so griff man auf Kroaten, die aus religiösen Gründen vor den Türken geflüchtet, die streng katholisch waren und sich in Auffanglagern auf italienischem Boden befanden, zurück.
So stiftete hier Graf Niclas Salm, ein Enkel des Befreiers von Wien aus der Türkenbelagerungszeit, Herrschaftsinhaber von Marchegg, in Breitensee zusätzlich zu der vorhandenen deutschen Bevölkerung 12 Bauernhöfe, die mit Kroaten besiedelt wurden, und die naturgemäß der Herrschaft Marchegg zinspflichtig waren. Auch die meisten anderen Marchfelddörfer, wie Lassee, Schönfeld, u.a. wurden damals mit Kroaten aufgefüllt.
Wer sind die Kroaten?
Nach italienischen und kroatischen Forschungen aus der Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg, sollen sie ein ostgotischer Stamm sein, der die Wanderung seines Volkes im 3. Jahrhundert (Völkerwanderung) nicht mitgemacht hat. Von den nachrückenden Polen wurde dieser Stamm der Sprache nach slawisiert, hat sich aber blutmäßig rein erhalten. Im 6. Jahrhundert trat er den gleichen Weg – wie vorher schon die Ostgoten – nach dem Westen an und gelangte im 7. Jahrhundert in sein heutiges Siedlungsgebiet.
1527 kamen die Kroaten mit der Wahl Ferdinands zu ihrem König in den Verband des römisch deutschen Reiches. Sie hielten in der schweren Zeit der Türkengefahr die sogenannte Militärgrenze und zählten zu den verlässlichsten und auch tapfersten Soldaten. Dass Kroaten zudem tüchtige Bauern sind, haben sie in der Zeit ihres Hierseins bewiesen.
Leider war Breitensee und damit auch den Neuangesiedelten keine lange Friedenszeit beschert. Die Reformation fand bei uns Widerhall, auch Graf Salm sympatisierte mit dem neuen Glauben.
1619 erhob sich der protestantische Adel mit der Waffe gegen Kaiser Bethlen Gabor (Ungar) zu Hilfe kam. Über die von seinen Soldaten hier verübten Greueltaten berichtet ein Brief, den Kaiser Ferdinand am 5. Dezember 1619 an den Kürfürsten Georg von Sachsen gerichtet hat: „… der Feind hat vor wenigen Tagen seinen Abzug genommen, zuvor aber, zumals die Ungarn an denen Orten, wo dieselben ihre Quartier gehabt, alles in Grund verwüstet, ausgebeutet und verbrannt, die Leut, wie man zu sagen pflegt, fast bis in den letzten Faden ausgezogen, spoliert (beraubt - Anmerkung des Verfassers), niedergehaut, eine große Anzahl derselben unerhörte Tormente zur Erforschung Gelds und Guts angelegt, unsäglich viele junge Knaben von 12 bis 16 Jahren mit sich fortgeführt, der Schwangeren und anderen Weibsbildern sich also missbraucht, dass derselben auf den Landstraßen allenthalben viel tot gefunden werden, die Mannspersonen aber mit Stricken um die Köpf also gerädelt, dass ihnen die Augen aus dem Kopfe herausliegen;…“
Es ist nun möglich, dass die alte Breitenseer Kirche erst in dieser Zeit von den Soldaten Gabors vernichtet wurde. Auch diesmal stand ja wieder ein verhältnismäßig großer und schlagkräftiger Feind zur Verfügung, der in der Lage gewesen wäre, einen Breitenseer Widerstand ohne Schwierigkeiten zu brechen.
Der Schauplatz des Krieges war vorerst noch nicht bis in unsere Heimat gedrungen; aber davon später!
Pfarrer Laurenz Schuster – der erste Local Kaplan von Breitensee schreibt 1878 in der Pfarrchronik, dass bei der Renovierung der Pfarrkirche neben großen Wandmalereien (Erzengel Michael in Lebensgröße, Anbetung der Hl. 3 Könige, Allerheiligste Dreifaltigkeit) auch eine Schrift zum Vorschein kam. Sie lautete:
Michael Marenitsch, Erbauer der Kirche 1638
Auf der Außenseite des Giebels zwischen Kirchenschiff und Vorhalle war bis in die jüngste Zeit die Jahreszahl 1629 zu lesen. Auf einer Fensterscheibe oberhalb der Sakristeitür – so können sich heute noch ältere Bewohner erinnern – stand die Jahreszahl 1630. Damit ist die Erbauung der Kirche in der heutigen Form (ohne Voraus) festgelegt. 1629 bis 1638 das sind 9 Jahre, was ein Zeitraum ist, der für die Fertigstellung einer Kirche dieses Ausmaßes einschließlich der inneren Gestaltung glaubhaft erscheint.
Ob Breitensee nach der Fertigstellung der Kirche einen Pfarrer erhielt und ob es auch eine eigene Pfarre wurde, ist nirgends festgehalten.
Von besonderer Beachtung ist die geschichtliche Zeit, in der das Gotteshaus errichtet wurde. Es war die Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Breitensee, und mit ihm das gesamte Marchfeld, war bis dahin von Kriegshandlungen verschont geblieben. Aber schon 1645 besetzten die Schweden Marchegg. Sie hatten sich inzwischen unter ihrem Feldherrn Torstenson und Kanzler Oxenstierna zu „verwilderten Soldaten, zu Strauchdieben und Mördern“ entwickelt.
Vom Schrecken, den sie unter der Bevölkerung hinterließen, berichten uns Sprüche und Liedchen wie etwa dieses:
Bet‘ Kindl, bet‘
morgen kommt der Schwed‘,
morgen kommt der Oxenstern,
der wird dich schon beten lehr’n.
Die Schweden sein kommen,
habn alles mitgnommen,
habn Fenster eing’schlagen
und’s Blei davon trag’n
hab’n Kugeln draus ‚gossen
und d’Bauern derschossen.
Für die Geschichte unserer Pfarre ist 1659 ein besonderes Jahr; es erfolgt
erstmalig die Nennung als eigene Pfarre. Im Registrum Parochiarum
der Pfarrkirchen und Filialen der Passauischen Diözesen in Austria inferioris (unserem heutigen Niederösterreich) wird Breitensee, liegend bei Weikendorf, als eigene Pfarre aufgezeigt.
Die Pfarre ist damals allerdings unbesetzt, der Pfarrer von Marchegg ist mit der seelsorgischen Führung Breitensees betraut. Dieser Umstand ist ja bis in die Gegenwart wiederholt eingetreten.
1663 wird die Pfarre Marchegg mit den Aufgaben sowie mit den Einkünften genau beschrieben. In dieser „Specifikation aus dem Pfarrhof Marchegg“ heißt es, dass außer der Kapelle im Schloss „sonst ist keine Filialforkirch“.
Breitensee müsste also zu dieser Zeit einen eigenen Pfarrer gehabt haben!
1666 scheint in der „ Matrikel für Niederösterreich“ Breitensee allerdings wieder als Filialkirche von Marchegg auf.
1671 heißt es in einer Aufzeichnung über Beschaffenheit und Vermögen der Kirche von Marchegg: „Filialis Ecclesia in praitensee. Die Filialkirche in Breitensee ist ab Anno 65 auch durch mein Fleiß und meines Capellanss erst zugerichtet worden, hat weder Capital noch Interesse als das sambi – und bettelgeld, alte verneuerte Messgewänder und notdurft zur bedienung."
Michael Gabriel Kempf
Pfarrer von Marchegg
1682 scheint Breitensee abermals als Filialkirche zu Marchegg gehörig auf, im
Visitationsbericht heißt es:
“Die Filialkirche zu Breitensee , die zur Pfarre Marchegg gehörig - die Kirchen St. Peter und St. Pauli, die zu Breitensee ist, ist eine vor diesem eigene Pfarre gewesene, wie darum defacto ein Pfarrhof vorhanden, 4 ½ Joch dazugehörig.“
Die Frage, wo dieser erste Pfarrhof gestanden ist, kann mangels geeigneter Unterlagen nicht beantwortet werden. In der erst 1814 begonnenen Pfarrchronik (Local Kaplan Ignaz Halada) heißt es „Der alte Pfarrhof soll in der Lücke zwischen No.41 und No.42 gestanden sein, wo noch einige Rudera (Reste) existieren“.
In diesem Zusammenhang ist der Hinweis des Chronisten der gleichen Quelle interessant. Er schreibt von einem Taufstein, der aus der alten Kirche stammen soll und der jetzt beim Brunnen im Pfarrhofe „appliciert“ sei.
Hier handelt es sich wohl um den Taufstein, der z. Z. in der Kirche in Verwendung steht. Dieser Taufstein (Taufbecken besser gesagt), kann aus der 1629 bis 1638 erbauten Kirche, seinem Stil nach aber ebenso gut aus der Zeit der ersten, ursprünglichen Kirche stammen und wäre somit der älteste Bestand der Kirche Breitensee.
Die Selbstständigkeit der Pfarre Breitensee war gemäß den vorhandenen Urkunden zeitlich von kurzer Dauer. Warum?
Entscheidende kriegerische Ereignisse hat es in dieser Zeit nicht gegeben, solche, welche die Bevölkerung stark dezimiert hätten. So bleibt als Erklärung die epidemische Krankheit „Pest“, die damals wütete und die Bevölkerung entscheidend verringerte.
Dieser Meinung schließt sich auch das Wiener Diözesanblatt 1899/93 an, wo es heißt: „Breitensee blieb eine eigene Pfarre bis 1683, wo die Pest solche Verheerungen unter den dortigen Bewohnern anrichtete, dass die Pfarre einging und die wenigen Übriggebliebenen der Pfarre Marchegg zugewiesen wurden.“
Und mit ihnen im Bunde aus der slowakisch – ungarischen Nachbarschaft, deren Verbündete unter dem ungarischen Grafen Tököly. Dieser nahm an der Belagerung Wiens n i c h t direkt Anteil, sondern überschritt gemeinsam mit dem Pascha von Großwardein am 24. August bei Angern die March.
Binnen weniger Tage brannten alle Orte von Jedenspeigen bis Markthof. Was noch auf dem Felde stand, gehörte dem Feind. Marchegg wurde entvölkert, die meisten Bewohner erschlagen oder in Gefangenschaft geführt. Erst 1631 wurde die Stadt – hauptsächlich mit Schwaben – neu besiedelt.
In Breitensee wird das Urteil ähnlich gewesen sein. Ob aber hier ein Zuzug aus deutschen Landen erfolgte, ist unwahrscheinlich; eher waren es wieder Kroaten, von denen wir wissen, dass 1739 eine letzte Zuwanderung erfolgte. Diese ging allerdings nach Loimersdorf.
Wahrscheinlich war es so, dass sich die Herrschaften, wie auch nach früheren Katastrophen, mit Erfolg bemühten, die Verluste der Bevölkerung durch neue Zusiedler, die ja gleichermaßen auch zinspflichtig waren, ehestens aufzufüllen.
Geistiger Erbe des Ungarn Tököly wurde Franz II. Rakoczy. Er nützte die schlechte soziale Lage des Bauernstandes in Ungarn und wandelte sie zu einer nationalen Erhebung gegen die Habsburger um.
Die Rebellen legten sich, wegen der ihrer Meinung nach „heiligen Sache“ den Namen Kreuzfahrer bei. (cruciati = Kuruzzen).
Rakoczy ließ sich zum ungarischen König ausrufen und drang mit seinen Anhängern (Insurgenten) in das Weinland und in das Marchfeld ein. An der March entlang standen zwar kaiserliche Reiterabteillungen, diese vermochten es aber nicht, die blitzschnell auftauchenden und zahlenmäßig überlegenen Feinde abzuwehren. Von 1701 bis 1711 drangen sie Jahr für Jahr ein, plünderten, raubten, töteten und verschwanden wieder. Während vorerst nur kleinere Streifscharen ihr Unwesen trieben, die leichter abzuwehren waren, und wo die Bevölkerung in ihren Erdställen oder in der (Wehr)Kirche einigen Schutz fand, kamen sie später als militärisch organisierte und wohlausgerüstete Truppe.
Am 19. März 1706 erschienen sie mit 8.000 Mann vor Lassee, wo sie vergeblich die tapfer verteidigte Kirche berannten. (5) Der damalige Pfarrer Peter Amadeus Zimmermann schildert anschaulich den Abwehrkampf, an dem er maßgeblich beteiligt war. Bei ihrem Abzug zündeten die Kuruzzen Lassee an, ebenso Haringsee, Groissenbrunn und Breitensee.
Erst 1711 – Rakoczy hatte sich zum Zaren der Russen begeben, um ihn für sich zu gewinnen – gewann die Friedenssehnsucht unter seinen Anhängern Oberhand und die bereits laufenden Verhandlungen kamen zu einem Abschluss.
Für 100 Jahre kehrte nun in unserer Heimat Friede ein.
Papst Inozenz XI. stiftete zur Erinnerung an die letzten Endes siegreich bestandene Türkengefahr das
Maria Namen Fest. (12. November).
Aus dieser Zeit stammt auch das Fluchwort „Kruzitürken“; man wollte damit Abscheu und Widerlichkeit von den Gegnern dieser Zeit ausdrücken. Über Breitensee gibt es – abgesehen von der urkundlichen Aufzeichnung der Brandschatzung des Dorfes keine weiteren Nachrichten.
Erst 1725 meldeten sich Breitenseer wieder.
Im Consistoria Protokoll 1725/I –Resp. 238 der Erzdiözese Wien lautet ein Vermerk : “Richter und Gemeinde bitten in Anhörung ihrer Bitte, wie auch ihrer Kinder nicht teutsch verstünden, ihnen einen der kroatischen Sprache kundigen Vicarium und zwar Überbringer dieses zugeschicken. Dem Dechant nach Vernehmung des Orts- Pfarrern ein erforderlichen Bericht.“

Das verwendete Deutsch ist klobig, die Schrift schwer lesbar. 1725 bitten also die Breitenseer um einen Vikar, der kroatisch spricht. Wie und ob entschieden wurde, konnte nicht herausgefunden werden.
Unter Vikar versteht man den Gehilfen (Vertreter) eines Pfarrers oder einen Cooperator expositus, wenn es sich um den auf einer Filiale weilenden Geistlichen handelt; der Pfarrer ist dann Inhaber mehrerer Pfründe.
In verschieden Schriftstücken aus der späteren Zeit wird gesagt, dass in Breitensee einmal ein kroatischer Pfarrer gewesen sein soll. Ein Beweis hiezu konnte bisher nicht erbracht werden. Vielleicht ist obiges Schriftstück die Ursache dieser Aussagen.
Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass Breitensee 1659 eine eigene Pfarre war. Die Erbauung der Kirche fällt in die Zeit von 1629 bis 1638. Es ist naheliegend, dass gleichzeitig mit dem Kirchenbau auch eine Pfarre errichtet und ein Seelsorger zugeteilt wurde. Für das kleine und mit geringen Gütern gesegnete Breitensee – man möge sich bloß die mageren Ackergründe vor Augen halten – war es eine gewaltige Leistung, sich an ein großes Bauwerk zu wagen. Sinnvolle Motivation für den Kirchenbau kann nur das Streben nach einem eigenen Pfarrer gewesen sein.
Im weiteren Bestehen der Pfarre ist allerdings eine Abhängigkeit von Marchegg erkennbar. Sie endete damit, dass 1683 die völlige Zuweisung dorthin erfolgte. Die Pest hatte unter der Bevölkerung derart gewütet, dass für die geringe Zahl der Übriggebliebenen die Führung und Erhaltung einer eigenen Pfarre nicht mehr zu vertreten war.
Es ist verständlich, dass die Bewohner, nachdem die sich zahlenmäßig wieder erholt hatten, auf die Errichtung einer eigenen Pfarre drängten. Der Weg nach Marchegg war beschwerlich und infolge häufigen Hochwassers oft nicht gangbar. Älteren Leuten war es darum nicht immer möglich, wenigstens den sonntägigen Gottesdienst zu besuchen.
Es fragt sich, warum die kirchliche Behörde nicht schon früher den sicherlich schon früher vorgetragenen Wunsch des Dorfes erfüllt hat?
„Hatte Breitensee also grundsätzliche Einrichtungen für die Schaffung einer eigenen Pfarre zur Verfügung, so scheiterten die Versuche bisher wohl auch an der geringen Bereitschaft auch der Priester, in dem an und für sich sehr entlegenen Gemeindebereich als Pfarrer zu wirken. Mitentscheidend in dieser Frage waren zweifelsohne auch die zu erwartenden nur geringen Einnahmen aus der nicht allzu begüteterten Landgemeinde. Sicherlich kein Grund zur bisherigen Nichtbesetzung von Breitensee war die geringe Zahl von katholischen Gläubigern, denn spätere Ausweise über die Religionszugehörigkeit vermitteln das statistische Bild einer fast nur aus Mitgliedern der römisch-katholischen Kirche bestehenden Dorfgemeinde.“
Die Marchegger Grundherrschaft – Fürst Palffy-Erdöd - stand der Errichtung einer Pfarre stets wohlwollend gegenüber.
Joseph II. (Deutscher Kaiser von 1780 – 1790) war davon überzeugt, dass der wöchentliche Kirchenbesuch sich auch sehr deutlich auf die sittliche Grundhaltung der Bevölkerung auswirken werde. Er glaubte also religiöse Anliegen mit staatsbürgerlichen Zielsetzungen verbinden zu können. Durch intensive pfarrliche Betreuung sollte auch das kulturelle Interesse in dem Gemeinden besonders geweckt und gefördert werden.
Ohne auf die Reformen Joseph II. weiter einzugehen – viele Reformen mussten ja später wieder zurückgenommen werden – muss man es diesem von hohen Idealen beseelten Herrscher zugute halten, dass sehr viele Pfarren auf seine Veranlassung hin neu errichtet wurden (insgesamt 83).
Aus dem Hofdekret vom 20. Juli 1783 können wir – allein auf das Marchfeld bezogen – entnehmen:
Im Dekanat Orth sind folgende Änderungen durchzuführen:
„Breitstetten (460 Einwohner mit Straudorf) hat nach allerhöchstem Befehl Gemäßheit einen eigenen Seelsorger in der Qualität eines Pfarrers oder Local-Caplans anzustellen Kiemerleinsdorf (=Franzensdorf) mit Rutzendorf und Andlersdorf einen Pfarrer
Jedlesee mit 400 Seelen einen Lokal-Caplan
Matzen mit 655 Seelen einen Pfarrer
Breitensee mit 419 Seelen einen Local-Caplan
Weidendorf mit 1200 Seelen samt Velm-Götzendorf einen Pfarrer
Groß- und Klein Prottes mit 406 Seelen einen Local-Caplan
Unter Gänserndorf (=Gänserndorf) mit 435 Seelen einen Local-Caplan
Zwerndorf mit 495 Seelen und Baumgarten (mit 299 Seelen - gehören zum Stifte Melk) einen Pfarrer“
Breitensee war also vorerst eine Lokalkaplanei. Das ist ein zu einer Pfarrkirche gehöriges Gotteshaus, das nach dem Kirchenrecht von einer Mutterpfarre (=Mutterkirche) abgetrennt ist, also eine ganz oder teilweise selbstständige Kirche. Für Breitensee war die Mutterkirche Marchegg, die Lokalkaplanei wurde ganz selbstständig.
Unterschiedlich von der Lokalkaplanei ist die Filialkirche (ecclesia filialis).
Diese wird von der Mutterkirche aus mit einem Vikar besetzt; sie gleicht einer Seelsorgestation, die von der Mutterkirche (=Hauptkirche) aus betreut wird. Pfarrliche Verrichtungen – z. B. Führung der Pfarrmatrik, Cirkulare des Konsistoriums, Verkündigungsbücher u.a. – werden von der Filialkirche nicht geführt. Man stellt sich unter ihr am besten ein Gotteshaus im Sinne einer Kapelle vor. (9)
In der Bedeutung der Priester gab es Unterschiede:
Für einen Pfarrer war ein Jahresgehalt von 600 fl (Gulden), für einen Lokalkaplan ein solches von 350 Gulden aus dem von Josef II. geschaffenen Religionsfond bestimmt. Ein an die Pfarre zugeordneter Cooperator erhielt 250 fl.
Am 12. Juni 1784 schreibt Carl Graf Palffy als Herrschaftsinhaber von Marchegg an den zuständigen „Hochwürdigen hochgeborenen Fürsten und Herren Josef Exempten Bischof und der Heil. Röm. Reiches Reichsfürsten zu Passau“ einen Brief, des Inhaltes, dass die vorhin zu Marchegg gehörige Local-Caplaney auf allerhöchsten Befehl seiner Kayserlich Königlich Apostolischen Majestät zu einer eigenen Local-Caplaney erhoben, dass ihm das Patronatsrecht eingeräumt wurde und er nun bittet, den früheren Cooperator von Marchegg Gotthard Bartusch auf die Local-Caplaney Breitensee zu investieren und zu installieren.
Dieses Ansuchen brachte die Entscheidung über die Besetzung der neuen Pfarrstelle.
Lokal-Kaplan Bartusch wurde am 21. Juli 1784 durch den Bischof von Passau investiert und bald darauf durch den zuständigen Orther Dechant Ludwig Robl installiert.
Für Breitensee war durch die josephinische Reform ein neues Zeitalter auf dem kirchenlichen Sektor angebrochen.
Lokalkaplan Bartusch war vorher Kooperator in Marchegg und aufgrund der damit verbundenen seelsorgischen Tätigkeit in der zu Marchegg gehörigen Kirche Breitensee hierorts nicht unbekannt. So bot er die beste Voraussetzung, die schwierige Aufgabe des Schaffens einer neuen Pfarre durchzuführen.
Im Visitationsbericht der Passauer Diözese 1682 scheint Breitensee als eigene Pfarre, versehen mit den notwendigen Einrichtungen - also auch mit einem Pfarrhof - auf. Dieser Pfarrhof bestand jetzt nicht mehr, ein neuer musste gebaut werden. Bis das geschehen war, „wird als vorläufige Zuflucht das Haus des Bauern Gregor Pattenschitz Nr. 11 angegeben, wofür die Herrschaft Marchegg den Zins in der Höhe von 44 fl und 30 kr bezahlte“.
Graf Palffy erweist sich als großer Förderer der Lokalkaplanei, schon 1785 ist der neue Pfarrhof, den er auf seine Kosten bei Mitarbeit der Bevölkerung des Dorfes errichten hat lassen, bezugsbereit. „Der Pfarrhof ist mit Schindeln gedeckt und enthält zu ebener Erde zwei geräumige Zimmer samt einem Gesindezimmer, auch eine Küche, worin ein Backofen angebracht ist, weiters eine Speis‘, einen kleinen Keller.
….Der (Dach)-Boden dient zur Behältnis der Fütterung für das Rindvieh. Links befindet sich die Stallung, welche mit Schindeln gedeckt und vier Stück Kühe drinnen stehen können.
Rechts ist eine von Holz erbaute Holzschupfe, mit Schindeln gedeckt und letztlich befindet sich mitten im Hof ein Pumpenbrunnen. Beim Pfarrhof befindet sich ein Hausgarten mit 1200 Quadratklafter (=2.300 Quadratmeter) rings mit einer Planken eingefangen und mit verschiedenen Obstbäumen besetzt.“
Aus all dem kann man schließen, dass die damaligen Pfarrherren gewirtschaftet haben, und dass hiebei das Pfarrhausdach als Heuboden diente.
Lokalkaplan Bartusch erweist sich als äußerst reger und interessierter Pfarrer, der mit Eifer und mit Erfolg das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen versteht:
Die Kirche wurde renoviert und mit neuen Bänken versehen,
aus der Loretto Kapelle Marcheggg wurde der aus Holz angefertigte Kirchenchor mitsamt der Positiv Orger nach Breitensee gebracht und schon im Dezember 1785 neu aufgebaut.
Auch die Errichtung der ersten Breitenseer Schule fällt in seine Amtszeit; sie wurde 1788 fertiggestellt, vom Marchegger Maurermeister Scheidl erbaut, wobei die Bewohner von Breitensee Hand- und Zugrobot leisteten.
Kaplan Bartusch bezog ein Jahresgehalt von 350 fl. (Gulden = der „guldene“ Pfennig, hatte 60 kr = Kreuzer.) Der Viertelgulden mit 15 kr galt allgemein als Entlohnung für 1 Tagesarbeit.
Auch die Abgaben, die Breitensee für die Feier der Gottesdienste zu bezahlen hatte, wurden festgelegt:

Alles in allem war die Pfarre gut dotiert, es hat sich allerdings in der Zukunft gezeigt, dass die Gemeinde nicht immer imstande war, alle Leistungen zu vollbringen. Lokalkaplan Bartusch starb am 24. Juli 1788 nach „10 Tagen standhaft ausgehaltenem Faulungsfieber“. (10)
Das Begräbnis hielt der Stadtpfarrer von Marchegg Josef Sporrer. Die Teilnahme der Bevölkerung war groß, das Grab liegt links neben der Haupteingangstüre, überbaut von dem 1850 unter Pfarrer Newolka errichteten Vorhaus.
Errichtung des Bistums Wien (1785)
In der verwaltungsmäßigen Organisation der Kirche trat eine entscheidende Veränderung ein. Josef II. war es durch unermüdliche Bemühungen gelungen, ein neues Bistum für Österreich unter der Enns zu schaffen. In der Lokalchronik lesen wir darüber:
„Anno 1785 ist die Paussauische Diezoes den 26. April zerteilt und dieses V. U. Berg dem Erzbistume Wien einverleibt worden.“ Im Zusammenhang damit wurde das Dekanat Bockfließ geschaffen. Breitensee blieb dem Dekanat Orth zugehörig.
Pater Schäfer kam vom Kapuzinerorden, er war vorher Provisor in Marchegg. Ebenso wie sein Vorgänger konnte auch er eine Reihe schöner Erfolge in Breitensee verzeichnen. In seine Zeit fällt die Eröffnung der neugebauten Schule. Diese lag jetzt im Bereich des Pfarrhofes, was die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kirche sehr förderte. Die schon lange geplante Erweiterung des Friedhofes wurde unter Beiziehung von Kirchengeldern bei Mitteinbeziehung von Hand- und Zugrobot der Gemeinde durchgeführt. Schäfer ließ auch „mitten im Ort“ einen Turm mit einer Glocke errichten, damit – wie es in der Chronik heißt – die Gläubigen zum Gottesdienst aufgefordert werden konnten. Wesentlich für die Kirche war die Reparatur des Dachstuhles sowie seine Sicherung gegen drohende Einsturzgefahr.
Die Franzosen im Marchfeld (1805 – 1809)Josef Aumann war vorher Kaplan an der Pfarrkirche in Ebenthal. Er trat sein Amt als Lokalkaplan von Breitensee am 15. März 1809 an. Dieser sicherlich sehr ideal gesinnte Priester konnte seine Aufgaben wegen einer Brustkrankheit nicht immer so ausführen, wie er es gerne getan hätte. Oft war er auf die Hilfe des Pfarrers von Marchegg angewiesen.
Sein Hauptaugenmerk legte er auf die Tätigkeit in der Schule. Eine besondere Aufgabe erwuchs ihm als Seelsorger und ausgleichend-stabile Kraft während des neuerlichen „Besuches“ der Franzosen 1809.
Kaplan Aumann starb nach geduldig ertragenem Leiden am 1. August 1813. Neben der Bevölkerung des Dorfes nahmen auch der Pfarrer von Groissenbrunn Ferdinand Altmann un der Stadtpfarrer von Marchegg Ruffin Schäfer am Begräbnis teil. Sein Grab ist 1850 mit dem neuerrichteten Kirchenvorhaus überbaut worden.
Von ihm wissen wir, dass er aus Mähren stammte, und dass er vorher als Beneficiat (Messeleser) an der Kirche St. Peter in Wien tätig war.
Seine Amtszeit in Breitensee betrug bloß 7 Monate, dann wurde er auf die Pfarre Hollern berufen.
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Halada stammte aus adeligem Geschlecht. Sein voller Name war Ernest Ignaz von Halada Edler von Gerencser. Halada hatte ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Gläubigen, man fasste rasch Vertrauen zu dem gelehrten Mann und achtete ihn im besonderen Maße.
Als er Breitensee verließ, um die Kuratenstelle im k.u.k. Provinzialkrankenhaus in Wien anzutreten, waren Kirche und Pfarrhof baulich in bester Ordnung, das nicht zuletzt auch durch zahlreiche Spenden und Stiftungen der Dorfbewohner.
Klähr war vorher Kooperator in Klein Höflein. Man beschreibt ihn als eher kränklichen Mann, der vom besten Willen beseelt wawr, denn aber doch die schweren Anforderungen, welche die Führung der Lokalkaplanei verlangte, überfordert zu sein, die Herzen der Breitenseer für sich zu gewinnen. Das mag ihn sehr bedrückt haben, und so verließ er - ohne sich weiter zu verabschieden – am 6. Jänner 1831 unser Dorf, um in Langenzersdorf das Uhlsche Benefizium zu übernehmen.
Georg Reithmayer war damals Stadtpfarrer in Marchegg. Bis zur Neubesetzung der Lokal-Kaplanei Breitensee zog er diese in seinen Wirkungsbereich ein.
In diese Zeit fällt die Visitation durch den Fürsterzbischof Johann Michael Leonhard. Die Schulkinder wurden damals (7. Juni 1831) in der Sakristei abgeprüft, die Firmung fand in Lassee statt.
Sein voller Name lautete Josef Franz Edler von Hegedüs. Er stammte aus Ungarn und war bisher Administrator in Ebersdorf an der Donau. Hegedüs wurde mit Freude und Erwartung in Breitensee begrüßt und am Peter- und Paulstag installiert.
Kirche und Pfarrhof befanden sich zu dieser Zeit in einem sehr vernachlässigten Zustand. Mit Energie und großem persönlichem Einsatz schuf der neue Lokalkaplan Abhilfe.
Innerhalb kürzester Zeit hatte er besten Kontakt zu den Leuten, er verstand es, sie für die Belange der Kirche zu interessieren; auch aktivierte er diesbezüglich seinen Wiener Bekanntenkreis. So war es möglich, Kirche und Pfarrhof bald wieder in Schönheit erstehen zu lassen. Als besondere Spenden mögen ein Kreuz-Partikel (durch Anton Vogovits) sowie ein Kreuzpartial mit den Reliquien der hl. Agatha und Liborii Bisch.M.M. (durch die Ehrw. Chorfrau Ferdinanda aus dem ehem. Kloster zu der Himmelspförtnerin) angesehen werden.
Der linke Seitenaltar war der Agatha Altar. Bedauerlicherweise wird über die damals sicher dort schon vorhandene Statue der hl. Agatha keine Aussage gemacht. Es wäre interessant zu wissen, seit wann sich dieses wertvolle Standbild in der Kirche befindet.
Eine große Gefahr schwebte 1831 über dem Ort. Die Cholera war ausgebrochen. Kaplan Hegedüs bewies hier hohe seelsorgische und menschliche Qualitäten und gewann dadurch besonderes Ansehen. Der Cholera fielen 7 Menschen zum Opfer. Als Dank für die glücklich überstandene Gefahr verpflichteten sich die Bewohner, die Dekorierung des Marienbildes durchführen zu lassen. (Man hört später nichts mehr davon)
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1834 erhielt die Kirche „ein hl. Grab mit drei bögen sammt einem liegenden Christusbilde und einem Kreuz mit zweyen Engelin“. Es war dies das Abschiedsgeschenk, das Hegedüs seinen Pfarrkindern darbot. Auf ihn wartete das Curat Benefizium im Wiener allgemeinen Krankenhaus.
Hegedüs behielt Breitensee stets in bester Erinnerung. 1842 sandte er einen prächtigen Tabernakel als Geschenk und 1860 ist er seinem Nachfolger Newolka bei der Beschaffung einer Subvention zwecks Ankauf einer neuen Orgel entscheidend behilflich.
Wolfgang Garhöfer
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