Auf dieser Seite finden Sie, was in und um Breitensee geschieht und sich in Bildern festhalten läßt.
Aus dieser Zeit stammt der Grabfund einer gotischen Fürstin aus Untersiebenbrunn. Er wurde ein außergewöhnlich schöner uns sorgfältig gearbeiteter Körperschmuck mit ins Grab gegeben.
Auch die Hunnen beherrschten unsere Heimat, allerdings nur von 433 bis 453. Nachdem ihr König Attila gefallen war, wurden seine Söhne „in der Schlacht an der Leitha“ geschlagen, sodass Germanen wieder unumschränkte Herren des Landes waren.
Der letzte germanische Stamm auf dem Boden unserer Heimat waren die Langobarden. Sie hatten ihr Reich durch kluge Politik weit nach Süden ausgedehnt, erreichten Plattensee und Save, und waren in der letzten Zeit ihres Hierseins eher als Führungsschichte, denn als Ackerbauern anzusehen.
Aus der Langobardenzeit gibt es bei uns zahlreiche Funde – auch in Marchegg und in Baumgarten. 568 tritt der letzte Langobardenkönig (Albion) sein Land an die Awaren ab, die nun für 200 Jahre hier die Herrschaft antreten.
Mit den Awaren – und sicher schon vereinzelt früher – kamen die Slawen in unser Land. Hiebei gab es keine feindlichen Auseinandersetzungen. Slawen lebten friedlich mit den zurückgebliebenen Germanen. Hin und wieder hatten sie auch gemeinsame Friedhöfe.
Die Awaren waren ein Reitervolk - ein Herrenvolk - das die bodenständige Bevölkerung schonte, diese für sie arbeiten ließ, dessen Führungsschichte allerdings ausrottete.
Die Awaren begnügten sich nicht mit dem vor ihnen besetzten Land, sie machten in der Folge Raubzüge nach Westen bis in das Reich der Franken. Karl der Große vernichtete sie in zwei Feldzügen (791 und 805). Um sein Reich nach Osten hin zu sichern, gründet er Ostmarken – eine davon bei uns: die karolingische Ostmark oder die awarische Mark genannt.
Aus dieser Zeit stammt die Michaelskirche in Orth, wahrscheinlich aber auch Gotteshäuser, die dem fränkischen Heiligen Martinus geweiht sind. Es könnte also auch Lassee dazu gehören, ebenso Sachsengang – das heutige Oberhausen – das mit Sachsen, jetzt würden wird Westfalen sagen, besiedelt wurde. Ansonst gibt es wenig Spuren aus dieser Zeit. Nach Karls Tod stand das Land bald unter slawischer Herrschaft, wurde aber von Bayern aus mit Erfolg christianisiert.
Diese verhängnismäßig ruhige Entwicklung wurde durch das Vordringen der Ungarn entscheidend gehemmt. 907 schlugen sie ein bayrisches Heer bei Preßburg und gelangten so in den Besitz unserer Heimat. Das Ende der karolingischen Mark war damals besiedelt.
Die Ungarn waren ein Reitervolk, den Awaren verwandt. Auch sie bildeten bloß eine Oberschichte, ließen das niedere Volk im großen und ganzen ungeschoren, töteten aber dessen Führer.
Durch ihre wiederholten Raubzüge weit in das Römisch Deutsche Reich wurden sie zu einer unmäßigen Plage. In der Schlacht auf dem Lechfelde (Augsburg) wurden sie 991 von Kaiser Otto I. vernichtend geschlagen. Es heißt, dass nur 7 Ungarn ihre Heimat wieder gesehen haben. (1e und 1g)
Durch diese Niederlage wurden die Ungarn in die Gebiete östlich der March zurückgetrieben, auch das Marchfeld wurde dadurch für neue Zuwanderung bayrischer Kolonisten frei. Das Grenzgebiet an der March – also unsere engste Heimat – blieb aber weit bis über die Hälfte des 11. Jahrhunderts Einfallsgebiet der oft höchst feindlich gesinnten ungarischen Reichsführung. (1c)
Alle Völker und Stämme, die bisher auf Marchfeld- und Weinlandboden gelebt hatten, waren nicht seßhaft in unserem Sinne.
Sie wohnten zwar in Gehöften – aus Holz gebaut, mit Stroh oder Rohr gedeckt – oder in Hofgruppen (Weilersiedlung), nahmen das Land rundherum in ihrem Besitz, zögerten aber nicht, den Wohnort zu wechseln, wenn sich etwas Besseres fand.
Nach dem Sieg Otto I. über die Ungarn drangen die Deutschen Kaiser und Markgrafen von Bayern aus allmählich bis zur March und darüber hinaus siedlungsmäßig vor. Hierbei kam es häufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Ungarn. Von Kämpfen mit einer eventuell vorhandenen bodenständigen Bevölkerung ist nichts bekannt.
Wie die Besiedelung vor sich ging, darüber berichtet keine Geschichtsquelle. Sie erfolgte aber nach einem genauen und sinnvoll überlegten Plan. Nach einer exakt durchgeführten Landvermessung reihte sich lückenlos Dorf an Dorf.
Wie anderswo, nahmen wahrscheinlich auch hier eigens dazu befähigte Landvermesser (Lokatoren) diese Arbeit vor.
Beinahe alle heutigen Orte mit ihrer Verteilung von Kulturland und Wald, mit ihren Gemeindegrenzen, ja selbst mit ihren Ackergrenzen (bis zur Kommassierung), gehen auf diese Zeit zurück.
Organisation und Technik der Ansiedlung treffen auch auf Breitensee zu, womit man mit Sicherheit daraus schließen kann, dass auch unser Dorf damals entstanden ist.
Wir haben, zum Unterschied von den wenigen noch aus der Karolingerzeit stammenden Orten wie etwa Stillfried, nicht die Blockflur sondern die Lüßflur auch Gewannflur genannnt. Der gesamte Gemeindegrund - mit Ausnahme der Krautäcker – war in drei Felder geteilt. Wir benennen die Felder heute noch so wie damals:
- das Obere Feld
- das Mittelfeld und
- das Untere Feld.
Die Dreiteilung entsprach der damals gebräuchlichen Dreifelderwirtschaft. Jedes Haus hatte in jedem Feld den gleichen Anteil.
In jedem Feld waren ertragsmäßig gleichwertige Ackerböden zusammengefasst. Zu einem Ganzlehen gehörten bei uns 30 Joch. Nach dem hierorts heute noch geltenden Sprachgebrauch war das ein „Großer“. Später entstanden durch Heirat, Erbschaft u.a. Halb- und Viertellehen, die „Kleinen“.
Der Lehensherr , z.B. die „Herrschaft“, war der Obereigentümer, der
Lehensmann , also der Bauer, war der Untereigentümer. Er war dem Lehensherrn zinspflichtig durch Robot, Zehent u.a., vergleichsweise in der Form wie wir heute steuerpflichtig sind.
Von Bedeutung ist die Herkunft der Siedler. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht. Tatsache ist, dass wir mundartlich ein unverfälschtes Bairisch sprechen, reiner als es heute in Bayern selbst gesprochen wird. Es ist daher naheliegend, dass die Besiedelung von jenseits der Enns aus erfolgte. Bis zur Enns reichte damals das bayrische Mutterland.

Die erste urkundliche Erwähnung unseres Dorfes stammt aus 1196. Im Codex Traditionis werden die Besitzrechte des Stiftes Klosterneuburg dargestellt und unser Ort im Zusammenhang mit „duo beneficia Praitinse“ (zwei Benefizien Breitensee) genannt.
1216 und 1219 wird auf die beiden Besitzungen abermals Bezug genommen. Abt Wisento aus Klosterneuburg übergibt sie in Übereinstimmung mit dem ganzen Kapitel als Lehen Herrn Heinrich Toschil (Klosterneuburger Stiftsarchiv Nr. II Fol. 36) (3)
Die beiden Lehen werden nicht weiter beschrieben, es wird bloß gesagt, dass sie bei Breitensee liegen.

Unter „beneficium“ ist ein Zinslehen zur Nutzung und Bearbeitung an bäuerliche Leute gegen Leistung von Diensten oder Abgaben zu verstehen. (9)
Ob die Überlegung, dass es sich bei diesen Gütern um den heutigen Salmhof und den Markhof (Satzling) gehandelt hat, abzulehen ist? Die Güter haben zweifellos eine größere Ausdehnung gehabt, das Klosterneuburger Domkapitel hätte sich sonst kaum mit ihnen beschäftigt.
Eine Nennung der „duo beneficia“ im Zusammenhang mit Marchegg konnte damals nicht erfolgen, weil Marchegg erst 1278 gegründet worden ist.
Mit der Besiedlung ging die kirchliche Ordnung des neuen Landgebietes Hand in Hand. Für uns war das Bistum Passau zuständig.
So entstanden um die Mitte des 11. Jahrhunderts Urpfarren, aus denen durch Teilung neue Seelsorgebezirke entstanden. Unsere Urpfarre – auch Mutterpfarre genannt – war Weikendorf.
Weikendorf selbst wird urkundlich 1113 erstmalig genannt.
Aus dieser Pfarre gingen hervor:
Markgrafneusiedel - 1224 (war vorerst grundherrlich, d.h. vom Grundherrn, dem
Markgrafen Siegfried (?) schon vorher als Kirche gegründet
Lassee - wird 1232 der Mutterpfarre gleichgestellt, bestand also
schon früher.
Schönkirchen,
Obersiebenbrunn,
Untersiebenbrunn, (wiedererrichtet 1784)
Oberweiden,
Zwerndorf,
Gänserndorf, (wiedererrichtet 1783)
Markthof, (wiedererrichtet 1783)
Prottes, (wiedererrichtet 1783)
Groißenbrunn, (wiedererrichtet 1783)
Breitensee, (wiedererrichtet 1784)
Mit Ausnahme von Zistersdorf gibt es in unserem Bezirk keine Urkunden, die über die Errichtung der neuen Pfarren schreiben. Erbauungszeit der Kirchen und Einrichtung der Pfarren können aufgrund verschiedenster Fakten bloß erschlossen werden. (1h)
Universitätsprofessor Dr. Klaar zählt die Breitenseer Kirche zu den frühgotischen Bautypen aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts und sagt, „dass die große, noch romanisierende Anlage ebenso wie jene in Waidendorf und in Haringsee stark umgebaut wurde“. (4)
Pfarrer Augustin Schenk stellt 1909 in der Pfarrchronik fest: „Als am 14. November der Totengräber das Grab für den Steinberg nach Breitensee überführten Martin Palleschitz besorgte, stieß er in der Tiefe von etwas 1 m auf mächtige Mauerreste und konnte nur schwer das Grab fertig machen. Ich erkundigte mich bei den Leuten, ob man darüber mehr wüsste, und man sagte mir, dort wäre einmal eine Kapelle gestanden. Weiter nachzugraben unterließ ich, weil es mir an dem nötigen Geld mangelte.“
Familie Kommerzialrat Franz Bibersteiner ließ im Zuge der Feier „400 Jahre Breitensee“ 1979 auf eigene Kosten die entsprechenden Grabungen durchführten. Das Ergebnis war verblüffend. Es brachte in Verlängerung der Apsismauern der jetzt bestehenden Kirche – also Richtung Osten – ein „massives Fundament aus Feldsteinen von 1,30 m Tiefe und 1m Breite“ zum Vorschein. (3)
Auf diesem Fundament ruht zum Teil die Apsis der heute bestehenden Kirche.
Die Außenmaße dieses Fundaments betragen 13m mal 6,5 m. Ob und wieweit diese Grundmauern auch das Fundament des Turmes bilden, könnte erst durch eine neuerliche Grabung festgestellt werden.
Die Zeit der Errichtung der Fundamente sowie deren Proportionen und des sicherlich darauf errichtet gewesenen sakralen Bauwerkes, entsprechen in Bauweise und Proportion jener Kirchen, die vorher genannt wurden.
Für unser Land sind die einstigen Wehrkirchen typisch. Sie stehen entweder auf einem Hügel innerhalb des Dorfes – wie etwa in Lassee – oder wurden außerhalb des Dorfverbandes errichtet, was für Breitensee zutrifft. Wehrkirchen hatten Wall und Graben, Untersiebenbrunn hatte beispielsweise ebenso wie Lassee drei Wälle.
Bei uns ist noch der Rest eines Walles erkennbar. Es ist das die Geländestufe etwa 30 m von der heutigen Friedhofsmauer auf der Nordseite Richtung Ost-West. (4)
Wehrkirchen gab es vor allem in den Orten, wo keien Burg vorhanden war. Jedes Dorf hatte für seine Sicherheit vorerst selbst aufzukommen. Nur bei großer Feindgefahr – durch Beobachter angekündigt oder von den Herrschaften avisiert und befohlen – wurden gut ausgebaute Fluchtorte aufgesucht. Für Breitensee mögen da in Frage gekommen sein die Stadt Marchegg oder die große Wehrkirche Lassee.
Gotteshaus und Friedhofsmauer eigneten sich auch deshalb ganz besonders zur Verteidigung, wie das gläubige Volk schon aus innerem Drange in diese geheiligte Stätte flüchtete.
Die Hauptlast der Verteidigung hatte die Friedhofsmauer zu tragen. Neben den vorgelagerten Wällen wies sie Pfahlwände und Flechtwerk auf, auf deren Erhaltung und Instandsetzung die Herrschaften stets drängten.
Unsere heutige Friedhofsmauer ist mit der ursprünglichen Mauer nicht identisch. Die Lage der Kirche außerhalb des Dorfes hatte einen wehrpolitischen Grund. Dem Feind war so die Möglichkeit genommen, aus der Deckung naher Häuser anzugreifen, zudem konnte die Kirche nicht durch einen Brand des Dorfes gefährdet werden.
Wie unsere Kirche ursprünglich ausgesehen hat, ob und welcher Art der Turm war, könnte selbst durch Grabungen im Kircheninneren nur mangelhaft festgestellt werden. Ihre spätere Zerstörung (um 1480?) war derart gründlich, dass kein Stein auf dem anderen blieb.
Bezüglich Aussehen dieser Kirche sind am ehesten Vergleiche mit dem Altteil der Kirchen in Baumgarten/March oder Witzelsdorf, die auch größenmäßig den Breitenseer Restfundamenten nahe kommen, zielführend.
Wolfgang Garhöfer
2294 Breitensee 51
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